Heute ist die Stadt zu viel für mich. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals derartig überfordert von einer Stadt gewesen zu sein. Hanoi ist voll und laut. Die Luft ist stickig, verursacht
Halskratzen. Die Stadt wirkt so überfüllt, die Häuser scheinen aus ihren Nähten zu platzen. Nicht zuletzt deswegen spielt sich das Leben auf den Straßen ab. Neben einem Schmuckgeschäft kocht eine Frau gerade Hühnerbeine. Der Essensgeruch vermischt sich mit dem Gestank der Abgase, die auf der unmittelbar angrenzenden Straße permanent von den Hondas ausgespien werden.
Um alle auf sich aufmerksam zu machen, wird gehupt. Ständig und immer. Es gibt sogar „Hup-Verbotsschilder“, um den Lärmpegel in reicheren Gegenden wenigstens etwas zu senken. Ein Mofa kommt einem Familienwagen gleich. Alles wird darauf transportiert: Mandarinenbäume, Kücheneinrichtungen und Körbe voller Lebensmittel.
Bei einem monatlichen Durchschnittslohn von umgerechnet fünfzig Euro ist es fast mehr als Reichtum, ein Auto zu besitzen. Die wenigen, die es davon hier gibt, sind dafür umso gehegter und gepflegter.